Ratgeber

Barrierefreie Website: Grundlagen und BFSG

Von Marcus B. Holzhauer · 15. Oktober 2026 · Zuletzt aktualisiert am 15.10.2026

Warum es wichtig ist

Barrierefreiheit hilft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern allen: bei Sonnenlicht, mit einer Hand, mit langsamem Netz. Sie verbessert Lesbarkeit, Struktur und damit oft auch die Auffindbarkeit.

Das BFSG

Das Gesetz setzt eine europäische Richtlinie um und gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte Produkte und Dienstleistungen, unter anderem für Online-Shops und andere Verbraucher-Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen. Ob und wie das BFSG Sie betrifft, sollten Sie rechtlich prüfen lassen.

Technische Grundlage

Maßstab sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Wichtige Punkte:

  • Ausreichende Farbkontraste
  • Alternativtexte für Bilder
  • Bedienung per Tastatur, sichtbarer Fokus
  • Klare Überschriftenstruktur
  • Beschriftete Formularfelder
  • Skalierbare Schrift, keine Inhalte nur über Farbe
  • Untertitel oder Transkripte für Videos

Wie Sie anfangen

  1. Mit automatischen Prüfwerkzeugen die häufigsten Mängel finden.
  2. Per Tastatur durch die Seite navigieren.
  3. Die wichtigsten Abläufe (Kontakt, Kauf) mit Screenreader testen.
  4. Mängel beheben und eine Erklärung zur Barrierefreiheit bereitstellen, wo erforderlich.

Häufige Mängel in der Praxis

  • Zu wenig Kontrast: Hellgrauer Text auf Weiß ist schick, aber schwer lesbar. Die WCAG verlangen für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1, für großen Text 3 zu 1.
  • Links ohne Aussage: „Hier klicken“ sagt einem Screenreader, der Links als Liste vorliest, nichts. Besser ist ein Linktext, der das Ziel nennt.
  • Fehlender Fokus: Wer nur mit der Tab-Taste navigiert, muss sehen, wo er sich befindet. Ein entfernter Fokusrahmen ist ein verbreiteter Fehler.
  • Formulare ohne Beschriftung: Platzhalter verschwinden beim Tippen, eine echte Beschriftung bleibt.
  • Inhalte nur per Hover: Was nur beim Darüberfahren erscheint, ist per Tastatur oder Touch oft unerreichbar.

Mythos gegen Fakt

Mythos: Ein Overlay-Plugin, das einen Knopf einblendet, macht jede Seite barrierefrei. Fakt: Solche Zusatzwerkzeuge können einzelne Einstellungen anbieten, beheben aber die zugrunde liegenden Mängel in Struktur und Code in der Regel nicht und gelten unter Fachleuten nicht als Ersatz für eine saubere Umsetzung.

Praxisbeispiel: Anfrageformular prüfen

Nehmen Sie ein Kontaktformular mit vier Feldern. Drücken Sie nur die Tab-Taste: Springt der Fokus in sinnvoller Reihenfolge, ist er sichtbar, und lässt sich das Formular mit der Eingabetaste absenden? Dann lösen Sie absichtlich einen Fehler aus, etwa eine ungültige E-Mail-Adresse. Wird der Fehler am Feld in Worten erklärt, nicht nur durch einen roten Rand? Diese beiden Minuten decken oft mehr auf als ein langer Prüfbericht.

Entscheidungshilfe: Wie viel Aufwand ist angemessen?

Betreiben Sie einen Online-Shop für Verbraucher, sollten Sie die Pflichten des BFSG zeitnah klären und die Seite systematisch prüfen lassen. Haben Sie eine reine Visitenkarten-Website, ist die Rechtslage meist weniger streng, die Grundregeln (Kontrast, Struktur, Tastatur) lohnen sich trotzdem, weil sie wenig kosten, wenn man sie von Anfang an berücksichtigt. Nachträglich einen fertigen Shop umzubauen, ist deutlich aufwendiger, als ihn von Beginn an barrierearm zu planen. Zur Struktur gehört auch eine saubere Überschriftenhierarchie.

Barrierefreiheit im Alltag der Redaktion

Eine Seite bleibt nur barrierearm, wenn auch neue Inhalte stimmen. Legen Sie deshalb drei feste Gewohnheiten fest: Jedes neue Bild bekommt einen Alternativtext oder bewusst keinen, wenn es nur Dekoration ist. Jede Überschrift steht in der richtigen Ebene, nicht nach der Schriftgröße gewählt. Jedes Video erhält Untertitel oder ein Transkript. Hinzu kommt, Dokumente wie PDF-Dateien nicht zu vergessen: Auch sie sollten Überschriften, Lesereihenfolge und Alternativtexte enthalten, sonst bleibt die Barriere nur an anderer Stelle bestehen. Diese Gewohnheiten kosten pro Beitrag Minuten, ersparen aber umfangreiche Nacharbeit.

Wir bauen Websites von Beginn an barrierearm, siehe Websites und Alt-Texte.

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